„Wie Hannah Arendt feststellt, ist der Totalitarismus letztlich die logische Folge einer generalisierten Besessenheit von der Wissenschaft, dem Glauben an ein künstlich geschaffenes Paradies: „Die Wissenschaft [ist zu] einem Götzen geworden, der die Übel der Existenz auf magische Weise heilen und die Natur des Menschen verändern wird."“

Mattias Desmet erklärt, wie Totalitarismus aus der übermäßigen Idealisierung der Wissenschaft und dem Glauben an ein künstliches Paradies entsteht.

Der Totalitarismus wird als Konsequenz einer übermäßigen Idealisierung der Wissenschaft und des Glaubens an eine perfekte Welt beschrieben.

Mattias Desmet ist Professor für Klinische Psychologie an der Universität Gent.

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Zitat von Mattias Desmet über Totalitarismus und Wissenschaft


Totalitarismus und Wissenschaft - Mattias Desmet

Mattias Desmet lehrt Klinische Psychologie an der Abteilung für Psychoanalyse und klinische Beratung der Universität Gent. Die Forschung seiner Abteilung ist stark klinisch und praxisorientiert ausgerichtet. Er beschäftigt sich mit theoretischen und praktischen Aspekten der psychologischen Beratung und Psychoanalyse.

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Rupert Sheldrake über Wissenschaftswahn und die verborgenen Grenzen der WissenschaftCopyright © yoice.net – Quote Artwork
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"Der Wissenschaftswahn ist der Glaube, dass die Wissenschaft schon heute grundlegend die Natur unserer Realität verstanden hat und lediglich noch die Details vervollständigt werden müssen. Ich glaube, das ist eine schwerwiegend fehlerhafte Sichtweise. Die meisten Leute reagieren zuerst mit Ungläubigkeit und Ablehnung, wenn sie das erste Mal diese Aussage hören. Wie sollte es denn tatsächlich irgendetwas geben, was noch erfolgreicher ist als die Wissenschaft? Sie hat uns Handys, Computer, Flugzeuge, fortschrittliche Formen der Chirurgie und vieles mehr gegeben. Wir haben heute riesige Vorteile durch die Wissenschaften und durch ihre technischen Anwendungsmöglichkeiten. Es sieht so aus, als gäbe es dort keinerlei Raum mehr für Fehler oder gar Wahnvorstellungen, und dennoch behaupte ich, dass im innersten Kern der heutigen Wissenschaften grundlegende Denkfehler und zweifelhafte Annahmen vorhanden sind und dass es innerhalb der Wissenschaften einen Konflikt gibt, der sie von ihrer eigentlichen Aufgabe abhält. Ich sehe die Wissenschaft als eine Methode der Ermittlung, als Werkzeug zur Erforschung und Erkundung der Realität. Aber es gibt noch eine andere Seite der Wissenschaften, nämlich Wissenschaft als Weltsicht oder gar als dogmatisches Glaubenssystem. Noch einmal: Die meisten Leute sind im ersten Moment schockiert, wenn ich nahelege, dass die Wissenschaft ein dogmatisches Glaubenssystem sein kann. Sie sagen dann so Sachen wie: "Hey, gerade die Wissenschaft ist doch das Einzige, was uns möglich ist, und unsere dogmatischen Glaubensmuster zu verlassen. Es ist die einzige Disziplin, die handfesten Beweisen, vollem Respekt, freier Forschung und offenem Denken hervorbringt." Nun, dies ist das Ideal der Wissenschaften, und das ist ein Ideal, welches ich auch Teile. Doch leider wird dieses Ideal in der Praxis meistens nicht auf diese Weise umgesetzt, wie es gepredigt wird. Innerhalb der Wissenschaften gibt es ein stark definiertes Korsett der Glaubenssätze, von denen die meisten Wissenschaftler nicht einmal ahnen, dass es sich dabei um Glaubenssätze handeln könnte. Sie glauben zwar, dass andere Leute Glaubenssätze haben – Christen, Buddhisten, Muslime und so weiter – aber sie selbst haben natürlich keinen Glauben, denn sie beschäftigen sich schließlich mit der wissenschaftlichen Wahrheit. Und diese Überzeugungen werden als solch feststehende, etablierte Wahrheiten angenommen, dass sie in der Regel nicht einmal diskutiert werden. Wenn man Wissenschaft studiert, sagen einem die Leute nicht einfach, welche Glaubenssätze man akzeptieren und welche Dinge man wissen muss. Man absorbiert diese Grundsätze einfach wie beim Vorgang der Osmose in der Biologie. Es handelt sich hierbei um Dinge, die mit einer solchen Selbstverständlichkeit behandelt werden, dass man einfach annimmt, sie müssen wahr sein. Die meisten Menschen außerhalb der wissenschaftlichen Welt nehmen an, dass sie wahr sein müssen, weil die Wissenschaft einfach so erfolgreich ist und dadurch heute auch ein enorm hohes Maß an Ansehen genießt." Rupert Sheldrake
Zitat von Mattias Desmet über Totalitarismus als technokratische HerrschaftCopyright © yoice.net – Quote Artwork
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"Totalitarismus ist der Glaube, dass der menschliche Intellekt das leitende Prinzip im Leben und in der Gesellschaft sein kann. Er zielt darauf ab, eine utopische, künstliche Gesellschaft zu schaffen, die von Technokraten oder Experten geführt wird, die aufgrund ihres technischen Wissens sicherstellen, dass die Maschine der Gesellschaft reibungslos läuft. In dieser Sichtweise wird das Individuum vollständig dem Dasein als Zahnrad in der Maschine der Gesellschaft untergeordnet." Mattias Desmet
Zitat von Prof. Dr. Markus Gabriel über die Schieflage in unserem Weltbild durch Wissenschaft und TechnikCopyright © yoice.net – Quote Artwork
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"Ich sehe tatsächlich eine massive Schieflage in unserem gegenwärtigen Weltbild, weil Naturwissenschaft und Technik,  in diesen Tagen repräsentiert durch Virologie und Computersimulationen, an die vormalige Stelle der Religion getreten sind. Kurzum, im Wesentlichen am Ende des Tages, unfundierte Metaphysik betreiben. Allerdings basierend auf Tatsachen. Ja, die Naturwissenschaften gehören heute zum Standardbereich der Ideologie und Ideologie heißt heute, dass man mit den Tatsachen lügen kann…" Prof. Dr. Markus Gabriel