"Der Wissenschaftswahn ist der Glaube, dass die Wissenschaft schon heute grundlegend die Natur unserer Realität verstanden hat und lediglich noch die Details vervollständigt werden müssen. Ich glaube, das ist eine schwerwiegend fehlerhafte Sichtweise. Die meisten Leute reagieren zuerst mit Ungläubigkeit und Ablehnung, wenn sie das erste Mal diese Aussage hören. Wie sollte es denn tatsächlich irgendetwas geben, was noch erfolgreicher ist als die Wissenschaft? Sie hat uns Handys, Computer, Flugzeuge, fortschrittliche Formen der Chirurgie und vieles mehr gegeben. Wir haben heute riesige Vorteile durch die Wissenschaften und durch ihre technischen Anwendungsmöglichkeiten. Es sieht so aus, als gäbe es dort keinerlei Raum mehr für Fehler oder gar Wahnvorstellungen, und dennoch behaupte ich, dass im innersten Kern der heutigen Wissenschaften grundlegende Denkfehler und zweifelhafte Annahmen vorhanden sind und dass es innerhalb der Wissenschaften einen Konflikt gibt, der sie von ihrer eigentlichen Aufgabe abhält. Ich sehe die Wissenschaft als eine Methode der Ermittlung, als Werkzeug zur Erforschung und Erkundung der Realität. Aber es gibt noch eine andere Seite der Wissenschaften, nämlich Wissenschaft als Weltsicht oder gar als dogmatisches Glaubenssystem. Noch einmal: Die meisten Leute sind im ersten Moment schockiert, wenn ich nahelege, dass die Wissenschaft ein dogmatisches Glaubenssystem sein kann. Sie sagen dann so Sachen wie: "Hey, gerade die Wissenschaft ist doch das Einzige, was uns möglich ist, und unsere dogmatischen Glaubensmuster zu verlassen. Es ist die einzige Disziplin, die handfesten Beweisen, vollem Respekt, freier Forschung und offenem Denken hervorbringt." Nun, dies ist das Ideal der Wissenschaften, und das ist ein Ideal, welches ich auch Teile. Doch leider wird dieses Ideal in der Praxis meistens nicht auf diese Weise umgesetzt, wie es gepredigt wird. Innerhalb der Wissenschaften gibt es ein stark definiertes Korsett der Glaubenssätze, von denen die meisten Wissenschaftler nicht einmal ahnen, dass es sich dabei um Glaubenssätze handeln könnte. Sie glauben zwar, dass andere Leute Glaubenssätze haben – Christen, Buddhisten, Muslime und so weiter – aber sie selbst haben natürlich keinen Glauben, denn sie beschäftigen sich schließlich mit der wissenschaftlichen Wahrheit. Und diese Überzeugungen werden als solch feststehende, etablierte Wahrheiten angenommen, dass sie in der Regel nicht einmal diskutiert werden. Wenn man Wissenschaft studiert, sagen einem die Leute nicht einfach, welche Glaubenssätze man akzeptieren und welche Dinge man wissen muss. Man absorbiert diese Grundsätze einfach wie beim Vorgang der Osmose in der Biologie. Es handelt sich hierbei um Dinge, die mit einer solchen Selbstverständlichkeit behandelt werden, dass man einfach annimmt, sie müssen wahr sein. Die meisten Menschen außerhalb der wissenschaftlichen Welt nehmen an, dass sie wahr sein müssen, weil die Wissenschaft einfach so erfolgreich ist und dadurch heute auch ein enorm hohes Maß an Ansehen genießt."
Rupert Sheldrake
Rupert Sheldrake ist ein britischer Biologe und Autor, bekannt für seine kritischen Ansichten zur etablierten Wissenschaft und seine Theorie des morphischen Feldes.
Sheldrake fordert uns auf, die Grenzen der Wissenschaft zu hinterfragen und offen für alternative Denkweisen zu bleiben.
Original oder Übersetzung; "Science delusion is the belief that science has already fundamentally understood the nature of our reality and only the details need to be completed. I believe this is a seriously flawed view. Most people's first reaction is one of disbelief and rejection when they first hear this statement. How could there actually be anything more successful than science? It has given us cell phones, computers, airplanes, advanced forms of surgery, and much more. We have huge advantages today through science and through its technical applications. It looks as if there is no more room for error or even delusion there, and yet I maintain that at the innermost core of today's sciences there are fundamental errors of thought and dubious assumptions, and that there is a conflict within the sciences that keeps them from their proper task. I see science as a method of inquiry, a tool for exploring and investigating reality. But there is another side to the sciences, namely science as a worldview or even as a dogmatic belief system. Again, most people are shocked at first when I suggest that science can be a dogmatic belief system. They then say things like, "Hey, science in particular is the only thing that is possible for us and to leave our dogmatic belief patterns. It's the only discipline that produces tangible evidence, full respect, free inquiry, and open thinking." Now, this is the ideal of the sciences, and it is an ideal that I also share. But unfortunately, in practice, this ideal is usually not realized in the way it is preached. Within the sciences there is a strongly defined corset of beliefs that most scientists do not even suspect could be beliefs. They do believe that other people have beliefs-Christians, Buddhists, Muslims, and so on-but they themselves, of course, have no beliefs because they are, after all, concerned with scientific truth. And these beliefs are taken as such settled, established truths that they are usually not even discussed. When you study science, people don't just tell you what beliefs to accept and what things to know. You just absorb these principles like the process of osmosis in biology. These are things that are treated with such a matter of course that you just assume they must be true. Most people outside the scientific world assume that they must be true because science is simply so successful and, as a result, enjoys an enormously high level of prestige today."
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Rupert Sheldrake über Wissenschaftswahn: Die verborgenen Limits der Wissenschaft enthüllt!
Rupert Sheldrake enthüllt, warum die Wissenschaft trotz aller Erfolge ein dogmatisches Glaubenssystem sein kann – und was das für die Wahrheit bedeutet.
Rupert Sheldrake (* 1942) ist ein britischer Biologe, Autor und Forscher, der vorrangig für seine kontroversen Theorien über Morphische Felder und sein kritisches Hinterfragen der wissenschaftlichen Methoden bekannt ist. Er hat an der Universität Cambridge studiert und sich durch sein Engagement für alternative Forschungsansätze in der Biologie und den Wissenschaftsphilosophie international einen Namen gemacht.





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